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Neue Entdeckung von Spuren Zwinglis in der Stiftsbibliothek

Dass der spätere Reformator von Zürich Ulrich Zwingli während seiner Anstellung als Leutpriester in Einsiedeln (November 1516 bis Ende 1518) die Stiftsbibliothek des Klosters rege benutzte, war längst aktenkundig belegt, hatte er doch in Büchern seiner Privatbibliothek Hinweise auf andere Textvarianten in den Einsiedler «Codices» hinterlassen. Als «Codex» bezeichnet man bekanntlich eine vor der Zeit des Buchdrucks von Hand erstellte Abschrift, und Einsiedeln war damals schon berühmt für seinen reichen Bestand an solch einzigartigen Exemplaren, viele davon waren im Verlauf der Jahrhunderte im Kloster selber kopiert worden.

Schon seit bald 100 Jahren hatte man deshalb in den alten Beständen der Bibliothek nach Spuren von Zwinglis Lektüre gesucht, war aber nie fündig geworden, wie der deutsche Zwingli-Forscher Walther Köhler 1934 frustriert bemerkte: «In der Einsiedler Stiftsbibliothek ist nichts mehr für Zwingli zu holen» – bis 2017 der Experte der Zürcher Zentralbibliothek Urs B. Leu, genau 500 Jahre nach Zwinglis Einsiedeln-Aufenthalt, «Glossen» (handschriftliche Randbemerkungen) des jungen Gelehrten in einer Abschrift des Jesaja-Kommentars (Codex 125[79]) von Hieronymus (Kirchenvater des 4./5. Jh.) nachweisen konnte – eine echte Sensation! Das Exemplar ist deshalb als Leihgabe noch bis Ende April in der Ausstellung der Zentralbibliothek «Gedruckt zu Zürich» zu sehen.

Im Gegensatz zu seinen reich kommentierten privaten Büchern hielt sich Zwingli beim Klosterbesitz aber mit Einträgen auffallend zurück, beschränkte sich auf ganz wenige Korrekturen von Abschreibefehlern. Nun hat der Klosterbibliothekar Pater Justinus Pagnamenta auch in einer Abschrift der lateinischen Übersetzung des Römerbrief-Kommentars (Codex 123[78]) von Origenes (Theologe des 3. Jh. aus Alexandrien) Zwinglis typische Handschrift erkennen können, diese Glossen wurden inzwischen ebenfalls vom Zürcher Experten beglaubigt – und stellen alle bisherigen Entdeckungen in den Schatten!

Zwingli brachte in gewohnter Manier da und dort Hinweise auf den abweichenden griechischen Originaltext sowie mannigfache Korrekturen von Fehlern an; doch an einer Stelle schien ihm ob der vielen Verschreiber in diesem Codex der Kragen geplatzt zu sein: «Omnia ferme hic sunt mendose scripta, ut librarium aut vecordem aut somniculosum putare liceat. Cautius igitur omnia legas», notierte Zwingli oben auf der Seite, um zukünftige Leser zu warnen; zu deutsch: «Fast alles ist hier fehlerhaft geschrieben, sodass man annehmen darf, der Schreiber sei entweder verrückt oder schläfrig gewesen. Deshalb solltest du alles besonders sorgfältig lesen!».

In knappen Worten erlauben uns diese Glossen also nicht nur einen Einblick in Zwinglis emsige Studientätigkeit während der Einsiedler Zeit sowie in seine umfassende humanistische Bildung und Kultur, sondern auch in seine von feinem Humor und wachem Geist geprägte Persönlichkeit…

Bericht Pfr. Urs Jäger,
Foto: Urs Leu (Zwinglis Randbemerkungen zum Römerbrief-Kommentar des Origenes)

Ökumenischer Gottesdienst mit Pater Basil und Pfarrer Urs Jäger

Der diesjährige, schon traditionelle ökumenische Gottesdienst in der reformierten Kirche Einsiedeln wurde wiederum von Pater Basil und Urs Jäger geleitet. Das Thema der Gebetswoche zur Einheit der Christen lautet in diesem Jahr: «Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen.» Es wurde von den Kirchen in Indonesien angesichts immer neuer Spaltungen und Konflikte ausgewählt. Wir Christen sollen daran erinnert werden, der Gerechtigkeit einen hohen Stellenwert einzuräumen und sie in unserem Leben umzusetzen.
Pfarrer Urs Jäger begrüsst alle anwesenden Gottesdienstbesucher, besonders Pater Basil, Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Einsiedeln. Eine schon fast freundschaftliche Beziehung verbinde ihn mit Pater Basil, so Urs Jäger. Im Fokus von Pater Basils Predigt steht die Frohe Botschaft, die Jesus den Armen verkündet: den Gefangenen die Freiheit, den Blinden das Augenlicht, den Geknechteten die Freiheit. Den Armen soll also Frohes verkündet werden, Traurige sollen Mut fassen.
Doch Jesus will den Menschen auch sagen, dass die lebendige Geschichte Gottes nicht nur Vergangenheit ist, sondern Gegenwart und Zukunft. Weiter führt Pater Basil aus, dass es auch für uns in der heutigen Zeit darum geht, ob wir mit biblischen Worten und schönen Texten und Gedanken eine besinnliche Feier gestalten, oder ob wir im Gottesdienst zusammenkommen, um Christus zu begegnen oder sogar damit rechnen, dass er mitten unter uns ist.
Bleiben wir in der Gegenwart. Wenn wir um Einheit unter uns Christen beten, dann haben wir das Heute und die Zukunft im Blick, aber wir müssen wohl eingestehen, so Pater Basil, dass wir auch zu den Armen, Blinden, Gefangenen und Geknechteten gehören. Arm, weil es uns manchmal an innerem Feuer fehlt, blind, weil wir nicht sehen (wollen), welchen Weg uns Gott öffnen will, gefangen in unseren eigenen Gedanken, die oft von Erfahrungen der Vergangenheit geprägt sind und geknechtet von Mutlosigkeit, weil vielleicht viele Bemühungen um Einheit erfolglos geblieben sind.
Und wenn uns Jesus heute die Frohe Botschaft bringt, wenn wir aus tiefstem Herzen dazu Ja sagen können und wir bereit sind, uns «freiwillig» bewegen zu lassen, dann ist Jesus auch heute der Überbringer einer Frohen Botschaft – für uns persönlich und für alle Glaubensgemeinschaften. Soweit die Ausführungen Pater Basils in seiner Predigt.
Mit verschiedenen Fürbitten und dem Gebet «Unser Vater», das alle Christen verbindet, endete der ökumenische Gottesdienst. Anschliessend waren alle Anwesenden zu einem Apéro im Kirchgemeindesaal eingeladen, wo sich noch das eine und andere spontane Gespräch ergab.

Bericht und Bilder: Andi Peine

Weihnachtliches in der reformierten Kirchgemeinde

Auch dieses Jahr noch wurde in der reformierten Kirchgemeinde Einsiedeln die Weihnachtszeit im gewohnten Rahmen abgehalten. Der Reigen der Anlässe begann am 13. Dezember mit der Weihnachtsfeier 60+. Rund 50 Personen erlebten einen feierlichen Gottesdienst und wurden anschliessend kulinarisch verwöhnt. Der nächste Anlass war bereits drei Tage später, am frühen Sonntagabend mit der Unterrichtsweihnachten. Über deren Verlauf ist bereits ein Artikel im EA erschienen. Gleichzeitig wurde das Adventsfenster beim Eingang zum Gemeindehaus erstmals beleuchtet. Auch in den Aussengemeinden wurde gefeiert. Eine Andacht in Rothenthurm, im ganz kleinen aber feinen Kreis, und dann vor Heiligabend eine weitere Andacht in Unteriberg, mit einer grösseren Schar und ebenfalls einem gemütlichen Beisammensein.

Hauptanlass zur Weihnachtszeit war wie immer die Heiligabend-Feier am frühen Abend des 24. Dezembers. Jung und Alt feierten gemeinsam bei viel Musik, Singen der bekannten Weihnachtslieder und selbstverständlich mit der Vorlesung der Weihnachtsgeschichte das grosse Ereignis. Auch am Weihnachtsgottesdienst war neben der Predigt die Musik von Kathrin Auf der Maur (Orgel) und ihrer Tochter Therese Auf der Maur (Violine) ein wichtiger und eindrücklicher Teil. Zum Abschluss der Weihnachtsfeierlichkeiten wurde gemeinsam das Abendmahl gefeiert. Damit schloss sich der Reigen der weihnachtlichen Anlässe.

Wenn in der Einleitung dieses Artikels das Wort «noch» auffällt, hat das seine Bedeutung. Nicht, dass sich der Inhalt der verschiedenen Feiern im kommenden Jahr verändern wird. Sie sind ja von der Geschichte her gegeben. Was sich im nächsten Jahr, wenn auch nur vorübergehend ändern wird, ist die Lokalität. Da im nächsten Frühjahr die Sanierung der Kirche beginnt, wird diese im Dezember 2019 nicht zu Verfügung stehen. Das wird aber den Anlässen keinen Abbruch tun, kann doch dafür der Gemeindesaal benützt werden. Und ein Jahr später wird dann Weihnachten wieder in der schön renovierten und umgebauten Kirche stattfinden können.

Bericht: Fritz Lengacher; Foto: Heidi Degiorgi

Familiengottesdienst mit Unterrichtskindern zum Thema Abraham und Sara

Unterrichtskinder der zweiten Klasse spielten zu Beginn des Familiengottesdienstes vom 23. September auf einfache, aber beeindruckende Art die biblische Geschichte von Abraham und Sara vor. Dies vor vollen Bänken und unter der Anleitung von Heidi Degiorgi.

In seiner Predigt nimmt Pfarrer Urs Jäger das Thema wieder auf: Abraham wird mit seiner Frau Sara von Gott aufgefordert, in ein fremdes Land zu ziehen, ohne zu wissen, was da auf ihn zukommt. Er hegt keinen Zweifel an dem, was Gott ihm sagt; es ist richtig und gut für ihn. Er vertraut auf Gott und sein Vertrauen wird auch noch auf eine harte Probe gestellt. Denn Gott verspricht ihm, der Vater einer Sippe, ja eines Volkes zu werden. Aber Abraham und Sara werden alt und bleiben kinderlos.

Erst als drei Männer (Boten) Abraham und Sara besuchen und ihnen kundtun, dass Sara bald einen Sohn gebären wird, ist das für die betagte Sara fast lächerlich und sie gibt ihren Gefühlen freien Lauf und muss lachen. Dennoch ist für Sara das Ganze eher traurig, sie hatte sich so lange ein Kind gewünscht und eigentlich würde sie jetzt am liebsten weinen.

Sara verdient unseren Respekt; sie bleibt vor Gott einfach so, wie sie es für richtig hält. Sie fühlt sich nicht ernst genommen und zeigt auch vor Gott ihre Gefühle. Das verdient umso mehr Respekt in einer Gesellschaft, in der man als Frau nicht viel zu sagen hatte. Der Ehemann bestimmte ihr Leben und als kinderlose Ehefrau war ihr Leben alles andere als einfach. Nun, als Gott ihren sehnlichsten Wunsch, ein Kind zu bekommen, erfüllt hat, nennt sie ihn Isaak, was soviel heisst wie «Gott hat mich zum Lachen gebracht». Und so wünscht auch Gott allen Menschen, an Saras Freude teilzuhaben und gleichzeitig die Hoffnung nicht zu verlieren, wieder zu lachen und fröhlich zu sein.

Auch wir sind aufgerufen, Botschafter zu sein und Freude dahin zu bringen, wo andere Menschen traurig sind, dort Mut zu machen, wo Menschen ihn verloren haben. Die Erzählungen von Abraham sind Zeugnisse über einen Menschen, der in einer Mischung aus Mut, Gottvertrauen und Bereitschaft zum Risiko offen für Veränderungen bleibt und eine neue Welt sucht. Abraham und Sara sind grosse Vorbilder, von denen Israel seine Geschichte herleitet. Es sind keine Helden oder gar Heilige, sondern Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber sie erreichten ein hohes Alter: das Symbol für ein erfülltes Leben und Zeichen der Treue Gottes.

Der von der Kirchgemeinde offerierte Apéro, bot Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen und rundete den Familiengottesdienst würdig ab.

Bericht und Bild: Andreas Peine

Reformierte packen grosses Projekt an

Die im Jahre 1943 eingeweihte reformierte Kirche an der Spitalstrasse in Einsiedeln harrt einer dringend nötigen Renovation. Stabilisierung des Gebäudes, Wärmedämmung, Raumoptimierung und modernere Technik sind die Ziele. Damit das Projekt zur Ausführungsreife gebracht werden kann, haben die Stimmberechtigten einen zusätzlichen Planungskredit von Fr. 150'000 bewilligt.

Damit das reformierte Gotteshaus auch für nächste Generationen nutzbar ist, haben in letzter Zeit intensive Vorarbeiten für dessen Sanierung stattgefunden. Eine Arbeitsgruppe und das Architekturbüro Fässler & Partner aus Zürich haben sich damit befasst und vier Themenbereiche beleuchtet: Statik, Bauschäden, Wärmeverlust und Raumnutzung. Dabei wurde darauf geschaut, dass wirklich nur das Nötige an die Hand genommen wird.

Da der im November 2017 bewilligte Planungskredit von Fr. 20'000 nicht reicht und vor allem die Kirchenbürger informiert werden sollen, fand am 20. September eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung statt. Da das Projekt schon recht weit fortgeschritten ist, konnte über sehr viele Details berichtet werden und es liegt bereits eine Kostenrechnung vor. Diese hat eine Grössenordnung von 2,1 Millionen Franken, eine happige Last für eine Kirchgemeinde mit rund 2000 Mitgliedern. Natürlich hat man sich über die Finanzierung Gedanken gemacht und es ist auch eine Lösung in Sicht. Ein Drittel kann von den Eigenmitteln aufgebracht werden und zwei Drittel werden als Darlehen oder auf dem Kapitalmarkt beschafft. Da das Ziel ist, nach der Ausführung innert zehn Jahren die Schulden zu tilgen, wird es nicht ganz ohne eine Steuererhöhung gehen. Auf jeden Fall wird aber bei den kirchlichen Dienstleistungen und dem Gemeindeleben nicht gespart.

Über das bereits recht detaillierte Projekt konnten sich die 20 Stimmberechtigten ein gutes Bild machen und auch entsprechend Fragen stellen und Anregungen einbringen. An der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung ging es aber grundsätzlich darum, für die Detailplanung einen nötigen Zusatzkredit zu bewilligen, da der im November 2017 gesprochene Betrag bei weitem nicht reichen wird. Das war auch bei den beantragten Fr. 100'000 absehbar und deshalb wurde er auf Antrag auf Fr. 150'000 erhöht. Damit kann nun die Planungsarbeit abgeschlossen werden. Sie wird von der Baukommission bestehend aus Stefan Meyer (Präsident), Erika Weber, Erika Veyre, Chris Clark, Pfarrer Urs Jäger, Franz Käser sowie beratend von Pfarrerin Réka Jaeggi, Daniel Berli und Bernhard Schiesser begleitet.

Voraussichtlich können die Gemeindemitglieder bereits an der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung im November über die Ausführung des Projektes abstimmen. Dann gilt es einen wegweisenden Entscheid zu fällen, soll doch die reformierte Kirche auch von der nächsten Generation in einem guten Zustand genutzt werden können.

Bericht und Bild: Fritz Lengacher

Ausflug mit den Lektoren-/Lektorinnenteam auf der Schanzenanlage in Einsiedeln

Mit dem Zitat vom Vincent von Gogh «Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren!» und unter der Führung vom Kirchgemeinderatsmitglied Erika Weber hat sich eine illustere Gruppe auf den Weg gemacht, die Vierer-Schanzenanlage hier auf dem Platz Einsiedeln zu besichtigen. Wichtige Punkte, die in der Führung zur Sprache kamen, waren: wie wird das Skispringen erlernt, was war auf diesem Gebiet früher von Bedeutung, wie ist der Schanzenbelag zusammengesetzt und wie wird diese interessante Sportart heute gelebt? Vom LektorInnenteam wurden spannende Fragen gestellt und das Wohlwollen der Besuchenden, gegenüber dem Skispringen war absolut spürbar.

Ein Höhepunkt unseres Ausfluges war sicher die Fahrt mit dem kleinen Sessellift zu der 117m-«Hillsize»-Schanze und der darauf folgende, tolle Ausblick vom 44 Meter hohen Turm. Die 117m-Schanze ist die grösste der vier Einsiedlerschanzen und die grösste Mattenschanze der Schweiz. So trainieren auf ihr auch regelmässig Spitzenathleten aus der Schweiz und aus anderen Nationen. Dank ihrer Grösse lässt sie atemberaubende Sprünge bis um die 120-Meter-Marke zu. Im 2008 wurde der Schanzenrekord von 121 Meter erreicht. Seit 1933 hat in Einsiedeln das Skispringen seinen Platz – damals natürlich mit wesentlich einfacheren Mitteln. Zur Tradition gehört, dass ein Teil des Trainings auch heute noch im Klosterestrich stattfindet, da man dort nicht vom Wetter abhängig ist.

Nach gut zwei Stunden ging es in das Restaurant Berghof, wo die neuen Daten für das LektorInnenteam besprochen und gesetzt wurden und auch ein feines Essen auf uns wartete. Vielleicht fragen Sie sich: was ist eine Lektorin oder ein Lektor? Hier die Antwort: sie unterstützten die Pfarrperson, zitieren auf der Kanzel die vorgegebenen Bibeltexte und helfen somit, dass der sonntägliche Gottesdienst eine Stimme mehr erhält. Die Dateneinteilung findet halbjährlich statt. Einmal im Jahr wird sie nach wie vor im Kirchgemeindehaus gemacht. Neu gibt es jetzt, einmal im Jahr, auch einen Ausflug, an dem wir diese Einteilung vornehmen und uns im Anschluss ein Abendessen gönnen.

Es war eine tolle Gruppe und die Schreibende freut sich bereits jetzt auf den nächsten Event mit diesem Team.

Bericht und Zeichnung: Erika Weber, Kirchgemeinderätin, Ressort Unterricht

Begegnungen anstelle von Abschottung – Ökumenischer Gottesdienst mit Apéro in der reformierten Kirche

Pater Basil Höfliger und Pfarrer Urs Jäger haben in der Gebetswoche zur Einheit der Christen den bereits zur Tradition gewordenen ökumenischen Gottesdienst geleitet. Das diesjährige Thema – «Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke» (aus Mose 15,6) – wurde von den Kirchen auf den Bahamas ausgesucht, wobei auch Vorschläge für Gebete und Lieder erarbeitet wurden.

«Wir leben in einem Zeitalter der Abschottung…», so begann die Predigt von Pater Basil im ökumenischen Gottesdienst letzten Sonntag in der gut besuchten reformierten Kirche in Einsiedeln. Pater Basil nahm in seiner Predigt Bezug zum amerikanischen Schriftsteller Don DeLillo, der feststellt, dass sich ideologische Trennungen zwischen Gruppen verstärken und er resümiert, dass wir in einem Zeitalter der Abschottung leben. Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass Konflikte zunehmen, Konflikte zwischen rivalisierenden Ländern, aber auch innerhalb der Länder zwischen politischen wie weltanschaulichen Gruppierungen.

Wir feiern die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Das Thema dieser Woche – Einheit – haben sich die Kirchen nicht selber gegeben, sondern Christus. Jesus betet um die Einheit unter seinen Jüngern; wir müssen uns auch bemühen, diese Einheit als Botschaft Jesu für unsere Kirchen und unser eigenes Leben zu verstehen.

Lenken wir unseren Blick auf die befreiende Kraft des Glaubens, gleichzeitig geht es auch um das Vertrauen in Gott. Das Vorbild der Befreiung ist in der Bibel der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Der Glaube des Volkes ist stark und Gott ruft sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit. Vor allem zeigt die Geschichte auch ein Vertrauen in Gott, und wer dieses Vertrauen in sich trägt, dem öffnet es Wege, die verschlossen bleiben, wenn wir nur auf uns selber bauen.

Die Gefahr der Abschottung ist gross, wie eingangs der Predigt schon erwähnt. Sollten wir da nicht besser Begegnungen miteinander suchen und miteinander auch die Begegnung mit Gott? So lässt uns der Glaube nicht nur Grenzen überwinden, die wir Menschen errichten, er lässt uns auch Befreiung erfahren, die wir uns selber nicht geben können.

Pfarrer Urs Jäger und Pater Basil zeigten auf eindrückliche Art, wie Ökumene zwischen den beiden Kirchen in Einsiedeln gelebt wird, und die gegenseitige Sympathie war auch im Gottesdienst zu spüren.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst waren alle herzlich im Saal des Kirchgemeindehauses zu einem Apéro eingeladen; es fanden Begegnungen anstelle von Abschottung statt, und die Predigt von Pater Basil konnte so ansatzweise erlebt werden.

Bericht und Foto: Andreas Peine

Nötige Kirchensanierung – was wäre schön, wenn man es hätte?

Seit 1943 steht an der Spitalstrasse in Einsiedeln die evangelisch-reformierte Kirche. Zuerst ganz allein, dann später mit einem Pfarrhaus und nun noch mit einem sehr zweckmässigen Anbau. In all den Jahren wurde die Kirche aber nie ganz renoviert, sondern nur die nötigen Arbeiten ausgeführt. Zudem haben sich die Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändert. Zurzeit ist die Kirchgemeinde in einer glücklichen finanziellen Lage um ein weiteres grosses Projekt anzugehen. Die Kirchenbürger werden in naher Zukunft über verschiedene Varianten zu bestimmen haben. In einer Vorinformation konnten sie sich nun über die angedachten Massnahmen ein Bild machen.

Thermografieaufnahmen im letzten Winter haben deutlich gezeigt, was man eigentlich schon lange ahnte. Es geht sehr viel Energie, vor allem durch die Fenster, verloren. Aber auch andere Schwachpunkte konnten ausgemacht werden. Deshalb hat eine Wärmedämmung erste Priorität. Die (noch ursprünglichen) Fenster sollen ersetzt werden, aber so, dass das Aussehen genau so bleibt, indem das vorhandene Glas weiterhin verwendet wird. Dazu kommt aber noch ein Isolierglas. Dringend zu sanieren sind viele Risse im Mauerwerk, die nicht zuletzt auf die grosse Bautätigkeit rundherum zurückzuführen sind. Ersetzt werden muss dringend der Holzboden. Er wird das gleiche Aussehen haben wie bisher. Änderungen sind bei der Bestuhlung nötig. Wegen dem Einbau einer neuen Heizung mit grösseren Heizkörpern mussten die Bänke von der Wand weggerückt werden, was dazu führte, dass der Mittelgang schmäler wurde. Da die Sitzbänke sowieso renoviert werden müssen, wird auch hier eine Lösung gesucht. Das Turmzimmer wartet ebenfalls auf eine dringende Renovation.

Über die absolut nötigen Arbeiten bietet sich die Gelegenheit, weitere Massnahmen abzuklären und allenfalls vorzuschlagen. Als energetische Massnahme käme eine Verglasung des Eingangsbereiches möglicherweise in Frage. Geprüft wird auch, ob die bestehende Unterkellerung der Kirche erweitert werden könnte. Im Moment lässt sich der Raum kaum nutzen und Platz hat ja man bekanntlich nie genug. Des Weiteren werdend die Räume im Obergeschoss (Zimmer und WC-Anlage) nicht mehr benötigt und könnten einer neuen Verwendung zugeführt werden. Hier gehen die Überlegungen der Arbeitsgruppe sehr weit. Es wäre möglich, die Empore zurückzubauen und so würde Platz für eine bahnbrechende Möglichkeit geschaffen: Die nämlich 1974 beschaffte Orgel nimmt vorne in der Kirche fast die Hälfte des Altarraumes ein. Das schränkt den Handlungsspielraum ziemlich ein. Folglich bestünde die Möglichkeit, die Orgel in das obere Stockwerk zu zügeln und gleichzeitig deren Klangumfang zu erweitern. Dieses Vorhaben dürfte wohl am ehesten eine Kontroverse auslösen. Noch ist es aber zu früh, bereits jetzt eine riesige Diskussion darüber zu führen.

Im Budget für das kommende Jahr ist ein Betrag von 20'000 Franken für die Projektarbeiten vorgesehen. Dadurch ist es möglich, vertiefte Abklärungen vorzunehmen, Offerten einzuholen und sich mit der Denkmalpflege abzusprechen. Die Arbeitsgruppe wird anlässlich einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung verschiedene Varianten vorschlagen und die Stimmberechtigten haben dann das letzte Wort, was wirklich zur Ausführung kommen soll. Das Ziel aber ist klar: Man will den kommenden Generationen eine schöne und gesunde Kirche hinterlassen und zwar so, dass in den folgenden 20-25 Jahren keine grösseren Investitionen nötig sind. Denn wer weiss, ob diese dann noch möglich sind.

Fritz Lengacher