Gedanken zu den Monatslosungen

Monatslosung Juni Download

Freundliche Worte sind Honigwaben, süss für die Seele und heilsam für die Glieder. Spr 16,24

Wir nähren uns an freundlichen Worten und gedeihen an ihnen, wie ein lichthungriges Pflänzchen an der Sonne oder wie heranwachsende Bienen an Honigwaben. Worte, die in einem wohlgesinnten Ton daherkommen, haben eine aufbauende, stärkende Kraft in sich.

Denn sie lassen Saiten in uns anklingen, die eine Grundstimmung des Vertrauens, Angenommen-Seins und des Friedens mit sich bringen. Deshalb fühlen wir uns wohl um Menschen, die, Honigwaben gleich, reich an freundlichen Worten sind. Sobald wir uns wohlfühlen, zeigt sich dies auch bald in körperlicher Entspanntheit – das ist «heilsam für unsere Glieder».

Worte, die wir hören, erzeugen in uns Vorstellungen, die ihnen qualitativ entsprechen. Genau so ist es mit den Worten, die wir von uns geben: wir sind immer auch zugleich die HörerInnen von dem, was wir selber sagen. Treffen wohlwollende Worte auf uns – oder geben wir solche von uns – schafft dies in uns auch liebevolle Geistesinhalte. Diese mentalen Inhalte erzeugen wiederum eine persönliche Neigung, sie in Taten und Worten umzusetzen. Denn unsere Grundstimmung hat einen Einfluss darauf, wie wir mit anderen Menschen umgehen, und was wir ihnen, in welchem Tonfall sagen.

Freundliche Worte sind also wie Honigwaben, weil sie einen ganzen «Schwarm» Menschen mit Wohlwollen nähren können, und sie uns so zu einem gelungenen Miteinander befähigen. Eine solche Grundstimmung des Angenommen-Seins und des Friedens, die mit «entspannten Gliedern» einhergeht, wünsche ich uns allen – nicht nur für diesen Monat.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung Mai Download

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
2 Sam 7,22

In dieser Losung wird eine seit langer Zeit gepflegte Ehrerbietung für etwas absolut Einmaliges – Gott – sichtbar. Samuel bringt zum Ausdruck: Nur dieses Eine, neben dem jedes Zweite geradezu als Nichts erscheint, kann dem höchsten Gut und Gegenüber entsprechen. Gerade aus diesem Grund konnte und kann dieses unvorstellbare Höchste, Menschen, gleich einem Anker im Sturm des Lebens, Halt, Kraft und Sinn geben; inmitten von Unwidrigkeiten und Nöten, wie ein ruhender Fels, Zuflucht und Frieden verleihen.

Wenn jedoch das Bezogen-Sein zu diesem Einmaligen für Ausgrenzung und Abgrenzung missbraucht wird, entstehen Konkurrenz, Feindschaft und Krieg unter den Religionen. Einmaliges wird dann zum Überlegenen und Besseren umgedeutet, obschon es doch unvergleichlich sein soll.

Doch das, welches letztlich alle menschlichen Vorstellungen übersteigt, lässt sich nicht in die Enge von kleinherzigem Konkurrenzdenken pressen. Im Gegenteil: es überstrahlt die Irritationen des Gegeneinanders, die Hybris vermeintlicher Überlegenheit und die furchtgeleiteten Egoismen des Ausgrenzens.

So wünsche ich uns allen, dass wir überstrahlt werden, von dieser einmaligen und dennoch alles umfassenden Liebe eines Gemeinsinns, die Kulturen, Religionen und Menschen schützend zusammenhält.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung April Download

Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mt 28,20

Es gibt Tage, an denen wir uns einsam und verlassen, unbeachtet und abgewertet fühlen. Sich isoliert und nicht respektiert zu fühlen, gehört zu den schmerzhaftesten menschlichen Erfahrungen und kann zu schweren Krisen führen. Wird aus einer derartigen Notlage ein Dauerzustand von Absonderung und gegenseitiger Entwertung, kann daraus im Extremfall Menschenfeindlichkeit und Gewalt entstehen.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns in unseren Begegnungen und Beziehungen verbunden und wertgeschätzt fühlen. Erhalten wir diese Anerkennung nicht, wie so oft, bloss auf der Grundlage von Status und Ansehen, sondern ganz einfach als Mensch, entsteht in uns das wohltuende Gefühl, dass wir bejaht werden.

Fühlen wir diese Bejahung unseres Seins nicht nur zwischenmenschlich, sondern, noch grundlegender, auch im Zusammenhang mit dem DU, welches wir «Gott» nennen, ist das ein grossartiges Geschenk für unser Leben. Es ist ein Geschenk der Liebe, das uns selbst durch tiefe Krisen von Isolation und Demütigungen zu führen vermag.

Mit einem derartigen Geschenk der Liebe, wird es unmöglich, eine menschenfeindliche Gesinnung aufrecht zu erhalten. Dieses Geschenk und die daraus folgende Verbundenheit wünsche ich uns allen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung März Download

Richtet eure Herzen auf den Herrn und dient ihm allein. 1. Sam 7,3

Wahrscheinlich gehört die Ausrichtung unseres Herzens zu den wichtigsten Faktoren für ein gelingendes Leben. Doch was heisst, «sein Herz auszurichten» und kann man es überhaupt «richten»?

Das sind keine einfachen Fragen, aber wir können eine Metapher zu Hilfe nehmen: unsere Aufmerksamkeit ist mit dem Lichtkegel einer Lampe vergleichbar. Insofern ist es entscheidend, worauf wir achten und welchen Gedanken und Gefühlen wir Raum in unserem Leben geben.

Auch unser Herz hat die Kraft, seine Verbindungen zu wählen. Wenn wir den Lichtstrahl unseres Herzens nur auf leblose Gegenstände und Besitz ausrichten, wird uns das letztlich müde, ausgelaugt und unzufrieden machen, weil das Herz etwas Lebendiges ist. Wenn unser Herz die Gelegenheit hat, sich in aufbauenden Beziehungen und Liebe zu spiegeln, und sich mit Gott zu verbinden, dann blüht es auf, weil sein Licht auf das Lebendige scheint.

Daher wünsche ich uns allen ein Herz, dessen Licht und Liebe auf das Lebendige scheint.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung Februar Download

Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zur Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Römer 8,18

Interessant, was Paulus da schreibt: Das Ende allen Leides stehe uns bevor, wenn Gott seine Herrlichkeit an uns offenbart!

Ob wir da vielleicht, gerade auch als Christen, in bald 2000 Jahren allzu sehr darauf bedacht waren, unsere Herrlichkeit an ihm herauszustreichen, unsere behauptete Gottgegebene Überlegenheit gegenüber Religionen und Kulturen – und damit das Leiden in dieser Welt nur grösser gemacht haben?

Diese Frage müssen wir uns wohl gefallen lassen – und versuchen, Gott immer wieder wirklich Raum zu geben, in unserem Denken, Tun und Handeln.

Vielleicht erfahren wir dann auch für uns neue, erfreuliche, «herrliche» Zeiten…

Pfarrer Urs Jäger

Monatslosung Januar Download

Meinen Bogen stelle ich in die Wolken. Der soll ein Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde sein. Gen 9,13

Der Regenbogen, der in der Losung angesprochen wird, ist nicht nur ein atemberaubendes Naturschauspiel, welches die Menschen seit je in ihren Bann zieht, er steht auch für eines der ältesten, kulturübergreifenden Symbole.

Die Bedeutung, die hier zum Ausdruck kommt, passt gut als Geleit zum neuen Jahr: In Verbundenheit wollen wir dieses Jahr beginnen und durch sie alle Herausforderungen, welche die Zukunft bringt, gemeinsam anpacken. Denn die vielfältigen Situationen unseres Zusammenlebens erwecken schon mehr als genug Bruchstellen und Differenzen von Sichtweisen auf die Welt. Deshalb ist es wichtig, gemeinsame Ziele und unsere Verbundenheit im Dasein als Menschen immer vor Augen zu halten, um Unstimmigkeiten im konstruktiven Dialog und Handeln überbrücken zu können.

So bergen Kontroversen und Brüche immer auch die Chance, uns zu entwickeln, Probleme zu lösen und die verschiedenen perspektivischen Färbungen unserer Ansichten wie in einem Regenbogen zu integrieren.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Losungen 2018

Monatslosung Dezember Download

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.
Mt 2,10

Um diese Jahreszeit mag die Symbolkraft von Sternen besonders eindringlich, vielleicht sogar aufdringlich und omnipräsent auf uns wirken. Doch die Symbolik eines leitenden Sterns, die im Vers angesprochen wird, deutet auf etwas, was nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern über das ganze Jahr von Bedeutung ist.

Ziele und Leitsterne zu haben, erfüllt unser Herz mit Freude, Vitalität und Orientierung. Ein Firmament ohne Sterne zeigt sich als endloser, dunkler Raum ohne Fixpunkte. Analog dazu erscheint unser Leben, wenn wir keine Leitsterne, Ideale und Hoffnungen haben, orientierungs- und energielos.

Leitsterne müssen jedoch nicht ein fixes Ziel sein, an das wir uns krampfhaft klammern. Es genügt, wenn wir uns nach diesen Sternen in wertschätzender Zuneigung ausstrecken, mithin unser Herz und Tun nach ihnen ausrichten. Denn die Kraft und Inspiration, die wir aus lichtvollen Zielen schöpfen, macht uns lebendig und durch eine Sinngebung gerichtet. Dies vermag nicht nur unser, sondern auch das Leben anderer zu erhellen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen helle Leitsterne, die unser Herz und Sein erfüllen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung November Download

Und die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, sah ich vom Himmel herabkommen von Gott her […]. Offb 21,2 (ZUB)

Mit metaphorischen, bildgewaltigen Worten spricht hier Johannes von seiner Vision einer neuen Welt, die keine Dunkelheit, kein Leiden und kein Unrecht mehr kennt. Nein, sie soll gleissend strahlen, wie «kristallklarer Jaspis» und aus «glasartigem Gold» sein und ihre Tore sollen immer geöffnet sein (Offb 21,9-25).

Die Voraussetzung dafür sieht er darin, dass es kein Meer, keinen «ersten Himmel» und keine «erste Erde» mehr gibt (Offb 21,1) – das Althergebrachte und Gewohnte muss also für diese neue Welt sterben. Den Wunsch nach einer Welt, in der es nur Schönes und Gutes gibt und die keine «geschlossenen Tore» benötigt, kennt man vermutlich seit Menschengedenken.

Auch wenn uns dieser Wunsch unrealistisch und verstiegen vorkommen mag, so können wir uns fragen, was denn die ersten Schritte dazu wären? Dies wiederum wirft weitere Fragen auf: Ist es wirklich so unmöglich, unsere Welt besser zu gestalten? Wird nicht allzu oft das vermeintlich «Realistische» mit althergebrachten und gewohnheitsmässigen Denkmustern verwechselt? Und ging man nicht auch von blosser «Phantasterei» aus, als Jules Verne 1870 im Roman «Autour de la Lune» die Mondfahrt vorweggenommen hat?

Freilich macht die Mondfahrt aus unserer Welt keine bessere, doch dieses Beispiel zeigt, dass die kühnsten Menschheitsträume alle irgendwann mit einem ersten Gedanken angefangen haben. Nachdem der Wunsch zum Mond zu fliegen nicht mehr als «Spinnerei» abgetan wurde, begann man sich zu überlegen, wie man das einst «Unmögliche» möglich machen könnte. Weiter zeigt es, dass wenn wir uns für eine Sache begeistern und diese mit Motivation und Durchhaltewillen anpacken, Dinge verwirklichen können, die ganz am Anfang sogar utopisch wirken.

Somit stellt sich die berechtige Frage: Wie sähe unsere Welt aus, wenn der Gedanke einer friedlichen und gerechten Gesellschaft als echte Möglichkeit gesehen würde und mit ähnlicher Überzeugung, Durchhaltewillen und Intensität verfolgt würde, wie einst andere «unmöglich» scheinende Innovationen? Auch wenn dies nicht von heute auf morgen gehen mag, so wünsche ich uns, dass wir den Mut haben, die ersten Schritte dazu in unserem nicht unbedeutenden Alltag zu wagen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung Oktober Download

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. Psalm 38,10 (E)

Wir sehnen uns nach einem glücklichen Leben, der perfekten Liebe, erfüllenden Tätigkeiten und uneingeschränktem Wohlstand. Selbst wenn wir zuweilen erfolgreich im Nachjagen dieser Ideale sein mögen: früher oder später bilden sich in ihnen zunehmend Risse. Denn neben ihren freudvollen Seiten zeigen sie irgendwann auch ihr blasses Gesicht des üblich Gewohnten. Auch die Zeit, und mit ihr die Vergänglichkeit, tun das Ihre dazu, dass Fehler, Risse und Schattenseiten, nicht nur an Dingen, sondern auch in unseren Beziehungen sichtbar werden.

Dennoch suchen wir stetig und ruhelos nach Neuem, Besseren und nochmals Optimierten – oder nach dem perfekten Gegenüber! Ist dies wirklich die einzige Antwort auf den Makel des Alltäglichen? Nein, paradoxerweise machen wir – mit der dafür notwendigen Geduld – die Erfahrung, dass wenn wir statt in die Breite immer umfangreicherer Erwartungen, in die Tiefe gehen, hinter den Rissen des Fehlerhaften, das zutiefst Menschliche und Liebenswerte zu sehen beginnen. Das Ermutigende daran ist: Die Liebe, die Schönheit und das Licht, die wir durch jene Risse der Makel zu sehen beginnen, machen aus dem vermeintlich Farblosen und Fehlerhaften etwas Einzigartiges, Erfüllendes.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte & Website

Monatslosung August & September Download

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
1 Joh 4,16 (E)

Nur wenige Gedanken und Gefühle magnetisieren uns so stark, wie diejenigen der Liebe.

Woher kommt diese Faszination? Vielleicht liegt es daran, dass wenn wir uns geliebt fühlen, zugleich eine tiefe Geborgenheit empfinden – so, als ob wir in einem uns wertschätzenden, bejahenden Sein aufgehoben und vollständig umarmt wären. Spüren wir diese Wertschätzung und die Bejahung unserer je eigenen Art, fühlen wir uns entspannt und wohl. Das Unbehagen oder gar die Sorge, eventuell anders sein zu müssen, als wir es sind, wird von dieser Form der Liebe so restlos getilgt, wie Wasser in glühender Hitze verdampft.

Und wenn wir gegenüber anderen, wie im Johannesbrief festgestellt, «in der Liebe bleiben», dann erscheint uns die Welt weiter und heller. Sie erscheint uns weiter, weil wir mehr Platz in unserem Herzen haben; und lichtvoller, weil eine wertschätzende Haltung unser eigenes Herz erhellt. Denn wie wir uns vom Gefühl des Geliebt-Seins bejaht fühlen, so bewirkt auch die eigene Haltung, die in Liebe verweilt, ein Offenwerden und Bejahen des Lebens und der Menschen.

Das heisst natürlich nicht, dass wir dabei blind oder naiv werden, denn im Licht erkennen wir sogar mehr. So hält Johannes in 1 Joh 4,8 auch fest: «Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe». In diesem Sinne wünsche ich uns allen das geborgene, erfreuliche Verweilen in Liebe.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte  

Monatslosung Juli Download

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! Hos 10,12 (L)

Wenn wir Gerechtigkeit zu Ende denken, fällt uns auf, dass sie nicht bloss so etwas wie eine Buchhaltung über «Soll und Haben» sein kann, sondern vielmehr einen massvollen Rahmen darstellt, worin wir uns gegenseitig schützen und unterstützen können.

Zu solch einer Form von Gerechtigkeit gehört es auch, abzuschätzen, was wir voneinander erwarten können und wozu jedes Individuum – in seiner je spezifischen Situation – überhaupt in der Lage ist. Gerechtigkeit sollte deshalb nicht einfach in engen Begriffen des «Verdienens», der «Abgeltung» oder gar des «Sühnens» gesehen werden.

Deshalb besteht Gerechtigkeit nicht zuletzt darin, jeder Person das zu geben, was sie unbedingt braucht, damit auch sie von Herzen geben kann. Nur so kann sie eine Basis für ein friedliches und verständnisvolles Zusammenleben sein. Gerechtigkeit die lange währen und Friede bringen soll, findet seinen Nährboden in einem weiten Herzen und einem klaren Verstand. Durch beides sind wir fähig, zu erkennen, dass wir bereits reich Beschenkte sind. Diese Zuversicht und Dankbarkeit wird uns die Angst nehmen, von Herzen und ohne Kalkül zu geben.

So liegt nach Hosea unsere grosse Chance darin, immer in Liebe auszusäen – und in der Folge auch Liebe zu ernten. Eine solche Saat und eine Ernte der Liebe wünsche ich uns allen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte

Monatslosung Juni Download

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebr 13,2 (E)

Wenn wir diese Zeilen aus dem Hebräerbrief lesen, so mögen wir vielleicht denken: «Aber gastfreundlich sind wir doch alle! Erst kürzlich hat das wieder ein befreundetes Paar zu uns gesagt…»
Sind wir das wirklich und unter allen Umständen? Und was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff «Gäste»? Können das nur Freunde, Familienmitglieder oder bezahlende Hotelgäste sein?

Die in der Losung erwähnte Gastfreundschaft scheint demgegenüber eine viel weitere Bedeutung zu haben: auch der «Fremde», der kein Geld hat und den oder die wir nicht kennen, ist als «Gast» zu betrachten. So gesehen, besteht eine tiefere Form der Gastfreundschaft darin, einen Menschen, der auf Hilfe angewiesen ist und der Frieden, Geborgenheit und Freiheit sucht, aufzunehmen – auch wenn er fremd ist und wir ihn nicht eingeladen haben.

Lassen wir uns also von dieser Stelle im Hebräerbrief ermutigen, der Angst vor dem «Fremden» den Mut und das offene Herz wahrer Gastfreundschaft entgegenzustellen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte

Monatslosung Mai Download

Der Glaube aber ist die Grundlegung dessen, was man erhofft, der Beweis für Dinge, die man nicht sieht.
Hebr 11,1 (ZUB)

Wie kann man etwas beweisen, was man nicht sieht? Und wie soll Glaube, der als Gegenstück zum Wissen gilt, etwas «beweisen» können? Doch vielleicht geht es hier gar nicht um ein Wissen, das auf gegenständlichen Fakten beruht, sondern um eine Zuversicht, die sich selber bereits genug «Beweis» ist. Insofern können der hier angesprochene Glaube und die damit verbundene Zuversicht als Wissensformen verstanden werden, die in Vertrauen wurzeln.

Wenn wir einem uns nahestehenden Menschen Glauben schenken, so benötigen wir dafür ein Vertrauen, welches letztlich nicht durch «Beweise» aufgebaut werden kann. Auch die Grundlegung für das Vertrauen in unser Leben und in ein friedliches Zusammenleben ist immer ein Geschenk, das wir uns geben und das uns gegeben wird. Ohne dieses Geschenk, das genau betrachtet in einem Vorschussvertrauen besteht, können wir keine gesunde Beziehung zu uns selbst, zu anderen Menschen und zur Welt aufbauen. Das heisst nicht, dass dieses Vorschussvertrauen nie enttäuscht wird. Doch Misstrauen erzeugt Misstrauen und schneidet uns von unserer Umwelt ab. Demgegenüber schenkt uns ein grundlegendes, gesundes Vertrauen die Chance, das zu leben und zu verwirklichen, worauf wir hoffen und woran wir glauben. In diesem Sinne wünsche ich uns allen dieses Geschenk einer vertrauenden Zuversicht, die die verbindende Kraft hat, sich selbst zu beweisen.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte

Losungsgedanken April Download

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Joh 20,21 (L=E)


Frieden ist in unserer Welt sicher nicht im Überfluss vorhanden, obwohl sich alle ein Leben in Frieden wünschen. Woher kommt dieser Widerspruch? Was lässt uns dieses tiefsitzende Bedürfnis nach Frieden vergessen? Paradoxerweise werden wir gerade dann aggressiv, wenn wir glauben, dass jemand unseren inneren Frieden bedroht oder Schuld daran sein könnte, dass er verloren ging.

Selbstverständlich können wir nicht tatenlos zusehen, wenn eine Person dabei ist, etwas Destruktives zu tun. Doch, ist es nicht auch öfters so, dass die in Unfrieden geratenen voneinander denken, «die Anderen» seien die Ursache des Konfliktes, weshalb sie auf keinen Fall eine freundliche Behandlung verdienen? Angefangen, so glaubt man nicht selten, haben «die Anderen»! Die Situation verhält sich dann so, wie wenn ein Tier in einen Spiegel schaut und nicht merkt, dass sein grimmiger Blick von ihm selbst kommt. Als Reaktion auf diesen bedrohlichen Blick wird es streitsüchtiger in den Spiegel schauen. In der Folge wird das Spiegelbild zwingend noch «feindlicher» wirken, worauf sich die aggressive und negative Dynamik weiter verschlimmert…

Unterliegen wir manchmal – obwohl wir eigentlich «nur unseren Frieden wollen» – nicht genau dieser Dynamik, die erst einen Konflikt entstehen lässt?

Edwin Egeter, Redaktion Berichte

 

 

Losungsgedanken März Download

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! Joh 19,30 (L=E)


Manchmal halten wir die Realität kaum aus, zu brutal konfrontiert sie uns mit Schmerz und Scheitern. So muss es auch den Anhängern Jesu gegangen sein, das Sterben ihres Meisters am Kreuz, nach den ältesten Quellen mit einem verzweifelten Schrei, schien ihnen einfach nicht heldenhaft genug, rankende Legenden versuchten dem Ereignis bald ein wenig den Schrecken zu nehmen.

Doch damit entmenschlichten sie auch die Person Jesu, schlimmer noch, sie nahmen sein Leiden nicht mehr ernst, und indem sie seinen qualvollen Tod schönredeten, wurde auch die Verantwortung der Römer für deren Grausamkeit aufgeweicht, und das nicht ohne Absicht: Mit diplomatischem Geschick schrieb Johannes sein Evangelium politisch opportun in seiner Zeit, man wollte sich doch nicht mit den Mächtigsten anlegen!

Für uns aber auch eine Lehre: Wo wir nicht deutlich Stellung nehmen für die Opfer, spielen wir den Häschern dieser Welt in die Hände. Denn Leidende und Unterdrückte gibt es auch heute noch genug. Das braucht Mut, gewiss, doch wir dürfen dabei wissen: Wo Menschen einander Karfreitag zufügen, bringt Gott Ostern.

Pfarrer Urs Jäger

Losungsgedanken Februar Download

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. Dtn 30,14 (L)


Es ist gut, wenn unsere Worte nicht nur mit den Handlungen, sondern auch mit dem Herzen im Einklang sind. Denn es ist einfacher, unser Tun mit unserer Rede in Übereinstimmung zu bringen, wenn das Gesagte etwas ist, wovon wir bis in unser Herz überzeugt sind. Umgekehrt, kann es einfacher sein, nach unseren Idealen zu handeln, wenn wir den Mut haben, diese den Anderen offen mitzuteilen.

Warum? Jede unserer Mitteilungen ist wie eine soziale Verpflichtung: unser Umfeld hört, was wir sagen und wird uns daran messen, was wir davon tatsächlich getan haben. Dieser Bewertungsmassstab ist uns immer mehr oder weniger bewusst und es ist peinlich, wenn wir uns erinnern, dass wir etwas gesagt haben und dann doch nicht danach handelten. Überzeugungen dem Umfeld ehrlich anzuvertrauen, kann auf diese Weise verbindlicher machen.

Insofern wünsche ich uns allen ein Herz, das die Kraft hat, Andere einzuschliessen und eine darauf abgestimmte mutige Rede der Inklusion und der aufbauenden Worte.

Edwin Egeter, Redaktion Berichte

Gedanken zur Januar-Monatslosung Download

Monatslosung Der siebte Tag ist aber der Tag der Entspannung, der gehört nur Gott. […] Dtn 5,14 (Volx-Bibel)

Was bedeutet das für unsere Gesellschaft, wenn sie erwartet, dass jede und jeder pausenlos 24 Stunden am Tag erreichbar sei? Was bedeutet das für Produzenten, Fabrikarbeiter, Verkäufer, Servicepersonal usw., die hier und in der ganzen Welt dafür schauen, dass wir umgehend geliefert bekommen, was auch immer wir haben wollen? Was bedeutet das für mich, wenn ich in Panik gerate, sobald mein Handy eine leere Batterie hat?

Ganz aktuelle Fragen, mit denen uns die 10 Gebote konfrontieren. Ihre Gültigkeit und vor allem ihre Absicht überzeugen noch heute und sollten auch uns immer wieder zu denken geben, denn was Gott will, so sagt uns die Bibel, das ist nichts anderes als das, was auch für uns selber eigentlich doch das Beste wäre: Wellness für die Seele, ein göttliches Gebot und Angebot, das wir nicht ausschlagen sollten!

Pfarrer Urs Jäger