Oberstufe / Gymnasium

Ab der 7. Klasse wird der Religionsunterricht für alle Schülerinnen und Schüler von Einsiedeln, Viertel und Aussengemeinden in Form von Projekten angeboten, die jeweils an einem einzelnen Tag oder verteilt an mehreren Daten stattfinden. Die Themen der einzelnen Projekte spannen den ganzen Bereich des Sozialen, der Umwelt, der Gesellschaft, aber auch des Religiösen.

Die Jugendlichen sind eingeladen, sich zu den einzelnen Themen Gedanken zu machen oder auch aktiv diese zu gestalten. Sie bekommen zu Beginn des Schuljahres ein Dossier mit einem vielfältigen Angebot, aus dem sie sich einzelne Projekte aussuchen können, je nach dem, was sie am meisten interessiert.

Dabei gibt es für jedes Projekt eine bestimmte Anzahl Punkte, und das Pensum ist dann erfüllt, wenn die vorgegebene Mindestzahl erreicht wird.

Vier Mal im Jahr treffen sich die Jugendlichen auch zu einem Pflichtprojekt, bei dem sie zusammen mit der Lehrperson ein gemeinsames Grundwissen erarbeiten; hier besteht jeweils die Auswahl zwischen zwei verschiedenen Daten.

Am Gymnasium der Stiftsschule Einsiedeln ist der Religionsunterricht in den Stundenplan integriert. Weitere Auskunft erteilt Ihnen das Sekretariat.

Rückblick Projektunterricht

Bereichernder Besuch eines Sikh-Tempels

Bei strahlendem Sonnenschein und warmen Frühlingstemperaturen versammelten sich am Bahnhof Schülerinnen und Schüler der 7. und 8 Klasse des Projektunterrichtes der reformierten Kirche Einsiedeln. Das Ziel der Reise war ein Gurdwara, ein Sikh-Tempel im Industriegebiet von Langenthal. Ein Projekt mit lebensnahen und praktischen Erfahrungen. Es gibt verschiedene Tempel der Sikhs in der Schweiz, Langenthal ist einer davon. Die Sikh-Religion wurde von Guru Nanak zwischen 1469-1539 in Nordindien gegründet. Er verstand sich als Reformer einer, seiner Meinung nach erstarrten Religion, so wird von ihm der Satz zitiert: «Gott ist weder Hindu noch Muslim, und der Weg, dem ich folge ist Gott». Die drei Grundsätze von Nanak sind einfach: Arbeite für deinen Lebensunterhalt, bete zu Gott und teile mit den Anderen.

Die Bahnfahrt zeigte sich als Vorbereitung für den anstehenden Besuch. Es wurden Fragen auf Arbeitsblättern beantwortet, Kreuzworträtsel über die «5 Ks» (die fünf Erkennungszeichen der Sikhs) gelöst und die bevorstehenden Interviewfragen miteinander diskutiert und schriftlich verfasst. Die Jugendlichen waren beeindruckend konzentriert bei der Sache. Der Religionslehrer, Edwin Egeter hat für dieses Projekt ein buntes «20 Minuten-Heft» mit Infos zur Sikh-Religion kreiert, um ihre Neugierde weiter zu wecken.

Um 11.22 Uhr war es dann soweit: Inmitten von grauen Fassaden und Industriebauten sticht unübersehbar, schon am Bahnhof «Langenthal Süd», ein weisser und reich verzierter Tempel mit zwiebelartigen Sockeln und goldener Gebäudespitze hervor. Die Bauzeit des Tempels begann 2002 und endete mit einer Einweihungsfeier und unter grosser Beteiligung der Medien am 23. September 2006. Laut dem Präsidenten Karan Singh unterstützten die lokalen Behörden das Bauprojekt grossartig. Viel Herzblut und Ehrenamtlichkeit flossen in das Bauvolumen des Sikh-Tempels, welcher in dieser Umgebung fast märchenhaft wirkt. Besonders wichtig ist für Karan Singh eines: «Die Tore des Gurdwaras stehen allen offen», deshalb wird es als Vorteil gesehen, wenn der Tempel von aussen klar erkennbar ist.

Der Empfang durch Karan Sing war sehr herzlich und wir wurden auch gleich in den zentralen Raum des Gurdwara geführt, um der Rezitation aus dem Adi Granth, dem heiligen Buch der Sikhs, zuzuhören. Danach ging‘s in den Speiseraum, wo wir mit einem würzigen und sehr feinen vegetarischen Gericht und einem typischen Chai (einem indischen Gewürz-Tee) verwöhnt wurden. Denn für die Sikh-Gemeinschaft ist Gastfreundschaft nicht nur ein anzustrebendes Ideal, sondern ein verpflichtender Grundsatz: Kein Besucher soll je ein Gurdwara hungrig verlassen.

Danach hat uns der Gelehrte Gurdeep Singh Kundan die von den Jugendlichen vorbereiteten Fragen beantwortet. Aufgrund der Faszination der Umgebung und der herzlichen Gastfreundschaft, wurden auch spontane, zusätzliche Fragen an den Gelehrten gestellt, der mit Freude am grossen Interesse der Jugendlichen die Fragen schlagfertig und auf eine ehrliche, selbstkritische Weise beantwortete. Eine eindrückliche Dokumentation: Wir wissen jetzt, dass die Sikhs die Haare nie schneiden, welche die Männer unter einem kunstvoll gerichteten Turban tragen, dass sie von der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ausgehen, dass sie Vegetarier sind und das Kastenwesen ablehnen.

Mit diesen tollen Eindrücken haben wir danach wieder den Heimweg angetreten. Im Zug wurden noch die Interviewfragen ausgewertet und die Arbeitsblätter korrigiert. Die Dankbarkeit und die Freude an Natur und Mitmenschen prägen diesen Glauben durch viele Facetten. Ein Ausspruch vom Präsidenten Karan Sing ist mir geblieben: «Wenn wir Menschen dankbar sind für unsere Natur, für unseren Planeten, für unser Leben, sind wir automatisch auch zufriedene Menschen». Es wäre ja so einfach!

Bericht: Erika Weber, ref. Kirchgemeinderätin, Ressort Unterricht
Bilder: Markus Weber, Edwin Egeter