April 2026 - Gedanken zur Monatslosung

20240103_134108 (Foto: Edwin Egeter)
Hoffnung ist nicht blinder Optimismus, sondern ein Anker der Zuversicht, der über den Moment trägt.
Edwin Egeter,
«Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.» Hebr 6,19 (L)

Wie kann man angesichts der gegenwärtigen Weltlage – wie es die Losung nahelegt – noch Hoffnung haben? Ist Hoffnung nicht naiv oder gar realitätsblind? Wäre sie lediglich eine rosa Brille, die sich nie verfärbt, egal was geschieht, wäre Hoffnung nichts weiter als blinder Optimismus. Mehr noch: Eine solche Hoffnung ist ein Wagnis auf dünnem Eis. Sie kann jederzeit einbrechen und in ihr Gegenteil umschlagen – in Resignation oder Pessimismus.

Doch um eine solche Brille geht es hier nicht. Nicht um eine optimistische Weltsicht, die alles rosa färbt, und nicht um eine dunkle, wie im Pessimismus. Geistiger Nebel, gleich welcher Farbe, macht uns unfähig, auf Probleme angemessen zu reagieren. Er verharmlost oder verdunkelt, statt klar sehen zu lassen. Was also könnte im Hebräerbrief 6,19 mit «Hoffnung» gemeint sein? Und worin bestünde ihre Ankerfunktion? Hoffnung (elpís) im biblischen Sinne ist kein Wegschauen von der Realität, keine bloss optimistische Stimmung und kein unverbindliches Träumen, sondern eine geistige Haltung, die Halt schenkt. Eine konstruktive, stärkende Lebenshaltung. Sie hält aus – und gerade darin erweist sie sich als Halt. Deshalb wirkt sie wie ein fester Anker (ánkyran) der Seele.

Blinder Optimismus hofft ebenfalls, doch auf etwas Unrealistisches: auf einen Lottogewinn oder eine wundersame Wendung. Ein Hoffen auf etwas, das uns ohne eigenes Tun zufällt. Aus diesem Grund hat der Begriff «Hoffnung» heute einen schlechten Ruf. Doch Hoffnung im Sinne von elpís wendet sich nicht von der Welt ab, sondern der Welt und den Menschen zu. Sie ist intuitive Gewissheit, dass wir uns trotz aller Krisen langfristig in eine Richtung bewegen können, die dem Potenzial des Menschen – das heisst echter Menschlichkeit – gerecht wird.

Darum ist Hoffnung ein Anker der Zuversicht. Mit einem Anker leugnen wir den Sturm nicht, doch er verhindert, dass unser Schiff ins Destruktive abtreibt. Eine solche Hoffnung trägt, weil sie über den Moment hinaus verankert ist. Sie nimmt Leid und Probleme ernst und hält dennoch an der Offenheit der Zukunft fest. Daraus wächst vertrauende Standfestigkeit und aktive Zuversicht in das Leben und den Menschen. Beide haben die Kraft, in unserem Denken und Handeln Muster freizusetzen, die die Welt tatsächlich ein Stück hoffnungsvoller machen.

Text und Bild: Dr. phil. Edwin Markus Egeter (Bild: Kandersteg, BE)