Juni/Juli 2026 - Gedanken zur Monatslosung

Food_without_Borders (Foto: 123RF)
Kraft zur Veränderung
Réka Jaeggi,
«Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.» Amos 5,24 (L)

Für uns, die in diesem wunderschönen Land in einem Rechtsstaat mit direkter Demokratie leben dürfen, gehört zu unserem Rechtssystem, dass alle Bürgerinnen und Bürger der Schweiz die gleichen Rechte haben. Erst wenn wir von grossen Ungerechtigkeiten in der Welt hören, fällt uns vielleicht auf, wie wunderbar es ist, dass Recht und Gerechtigkeit bei uns schlicht zur Normalität gehören.

Trotz dieser Rechtssicherheit im Lande erleiden viele Menschen im Verborgenen schmerzhafte Erfahrungen von Ausnutzung, Missbrauch und Unterdrückung. Vieles wird nie erzählt, nur mit den Tränen geschluckt und verschwiegen, da es keine Hoffnung auf Hilfe und Veränderung am Horizont gibt.

Auch zur Zeit des Propheten Amos hatten nicht alle Menschen zu lachen! Die Dorfbevölkerung wurde durch die ungerechte Lebenshaltung der Stadtbewohner regelrecht ausgebeutet und mit Gewalt unterdrückt. Der Prophet will seine Augen vor dieser Ungerechtigkeit nicht verschliessen. Er ruft seine Hörerschaft dazu auf, ehrlich zu überprüfen, wie sie ihren Glauben im eigenen Leben, im Alltag umsetzen.

Gelten diese prophetischen Worte von damals bis in unsere heutige Zeit hinein? Die «Gerechtigkeit» soll herrschen wie ein nie versiegender Bach, der das Land zum Blühen und Wachsen bringt, so dass alle davon leben können. Wollen wir uns vom prophetischen Wort provozieren und fragen lassen, ob wir uns ernsthaft Gedanken über unsere Verantwortung machen? Wenn ja, dann haben unsere Gottesdienste und unsere diakonischen Tätigkeiten die Chance, Recht und Gerechtigkeit im Sinne Jesu Christi zu verkünden und diese frohe Botschaft im Alltag mit Freude zu gestalten.

Die Herausforderung ist nicht gering, denn wir müssten dazu nicht nur unsere eigene, alltägliche Lebensführung überdenken, sondern auch unser Gemeindeleben mit dem Blick auf Gerechtigkeit überprüfen. Machen wir uns da nichts vor! Unsere Augen zu schliessen und zu schweigen fällt uns einfach leichter.

Der Prophet Amos ermahnt uns und erinnert uns; wenn wir über Unrecht und Ungerechtigkeit schweigen, dann könnte es auch uns passieren, dass wir unsere Sicherheit für ein Leben mit Recht und Gerechtigkeit verlieren.

Ich bin überzeugt: Gott will uns immer neu Mut machen, uns dazu aufmuntern und Kraft zur Veränderung geben, so dass wir aufstehen und handeln.


Text: Réka Jaeggi, Pfarrerin, Bild: 123RF