Januar 2026 - Gedanken zur Monatslosung

95.b Jan26 Urs_Jaeger__Piemont (Foto: Urs Jäger)
Wenn wir Menschen auch niemals Liebe auf Befehl schenken könnten, so ist es uns doch immer möglich, uns auf ein inniges Verhältnis zu Gott und dessen Liebe einzulassen.
Urs Jäger,
Du sollst den HERRN, deinen GOTT, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 5. Mose (Deuteronomium) 6,5

Unsere Monatslosung zum Januar 2026 ist eingebettet in den uralten Aufruf zu einem innigen Verhältnis zu GOTT als unserer einen und einzigen Gottheit, den Moses im Auftrag des Höchsten an alle Gläubigen richtet. Jesus bezeichnet diese Worte einmal als wichtigstes aller Gebote, zusammen mit dem der Nächstenliebe. Aber wie soll man Liebe zu GOTT, Liebe zum Nächsten auf Geheiss hin empfinden? Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit! Unter uns Menschen: Ganz gewiss! Nicht aber in der Beziehung zu GOTT: Wenn wir Menschen auch auf Befehl niemals Liebe schenken könnten, so ist es uns doch immer möglich, uns darauf einzulassen, GOTTES Liebe zu empfangen, auf uns wirken zu lassen – und darin liegt das ganze Geheimnis. Dort, wo wir erfahren, wie sehr GOTT uns liebt, dort können wir ja gar nicht anders, als diese Liebe anzunehmen und zu erwidern.

Erst im Bewusstsein von GOTTES Liebe zu uns werden wir überhaupt fähig, den alten Aufruf zur Gottesliebe auch uns selber anzueignen, mit GOTT wirklich in eine Liebesbeziehung einzutreten. Und dann merken wir auch gleich: Das würde niemals aufgehen, wenn wir nicht das zweite von Jesus zitierte Gebot direkt mitdenken würden: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3. Mose 19,18). Der Weg zu einer Beziehung mit GOTT kann nun einmal nicht an den Beziehungen mit unseren Mitmenschen vorbeiführen. Aber auch da gilt zuerst einmal: Weil GOTT mich liebt, genauso wie alle anderen Menschen, deshalb kann ich, wenn ich diese Liebe ganz an mich heranlasse, gar nicht anders, als Seine Liebe zu meinem Nächsten auch zu meiner Liebe zu machen.

Natürlich schaffe ich das nie auch nur annähernd! Genau darum sollen wir uns von Moses und von Jesus immer wieder daran erinnern lassen: Du sollst GOTT, deine Gottheit, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft.

So werden wir offen für GOTTES Liebe, die uns beständig zuströmt; so können wir uns von ihr verwandeln lassen – und bekommen dadurch die Kraft, an uns zu arbeiten, damit wir fähig werden, diese Liebe auch weiterzugeben, damit sie die ganze Welt erfassen möge.

Text und Bild: Pfarrer Urs Jäger (Bild: Villar Pelice, Piemont)