Publiziert von: Edwin Egeter
Bereitgestellt: 31.08.2026
"Ich meinti" von Edwin Egeter
Gefühle sind die Leitplanken der Vernunft.
In der biblischen Denkweise gibt es keine klare Trennung zwischen Gefühl und Geist. Der hebräische Begriff levav bezeichnet nicht nur das Herz, sondern das ganze innere Erleben – einschliesslich des Verstandes.
Wenn wir heute vom «Herz» sprechen, verstehen wir es als Gegenpol zur Vernunft. Diese Entgegensetzung geht auf Platon zurück, der die Seele in Vernunft, Affekt und Begierde gliederte. Die Vernunft soll über Gefühle und Begierden herrschen. Rationalistische Philosophen wie René Descartes haben diesen Gegensatz weiter verschärft.
Die biblische Tradition ist mit ihrer Sicht auf die Ganzheit des menschlichen Innenlebens nicht allein. In der Yoga-Philosophie, aber auch im Buddhismus, findet sich dafür der Begriff chitta, der «Herz-Geist» bedeutet. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio bezeichnet den Dualismus von Gefühl und Vernunft als «Descartes’ Irrtum»: Menschen mit Schädigungen in emotional relevanten Hirnarealen bleiben zwar logisch unversehrt, treffen jedoch aufgrund fehlender emotionaler Bewertung schwerwiegend irrationale Entscheidungen.
Gefühle sind daher die Leitplanken der Vernunft. In diesem Sinne sind sie rational.
Der Anspruch, sie diktatorisch beherrschen zu wollen, erweist sich als hinfällig. Wie zwei Seiten einer Medaille lassen sich Denken und Fühlen nicht voneinander trennen, selbst wenn sie miteinander ringen.
Können Denken und Fühlen in unserem Innern (levav) wie sorgfältig gestimmte Saiten einer Harfe in Einklang kommen? Ich glaube ja. Denn was diese Lebensklänge – wie der Rahmen jener Harfe – zusammenhält, ist etwas noch viel Umfassenderes: das, was wir Gott oder das Absolute nennen.
Text: Edwin Egeter, Bild: 123RF
Wenn wir heute vom «Herz» sprechen, verstehen wir es als Gegenpol zur Vernunft. Diese Entgegensetzung geht auf Platon zurück, der die Seele in Vernunft, Affekt und Begierde gliederte. Die Vernunft soll über Gefühle und Begierden herrschen. Rationalistische Philosophen wie René Descartes haben diesen Gegensatz weiter verschärft.
Die biblische Tradition ist mit ihrer Sicht auf die Ganzheit des menschlichen Innenlebens nicht allein. In der Yoga-Philosophie, aber auch im Buddhismus, findet sich dafür der Begriff chitta, der «Herz-Geist» bedeutet. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio bezeichnet den Dualismus von Gefühl und Vernunft als «Descartes’ Irrtum»: Menschen mit Schädigungen in emotional relevanten Hirnarealen bleiben zwar logisch unversehrt, treffen jedoch aufgrund fehlender emotionaler Bewertung schwerwiegend irrationale Entscheidungen.
Gefühle sind daher die Leitplanken der Vernunft. In diesem Sinne sind sie rational.
Der Anspruch, sie diktatorisch beherrschen zu wollen, erweist sich als hinfällig. Wie zwei Seiten einer Medaille lassen sich Denken und Fühlen nicht voneinander trennen, selbst wenn sie miteinander ringen.
Können Denken und Fühlen in unserem Innern (levav) wie sorgfältig gestimmte Saiten einer Harfe in Einklang kommen? Ich glaube ja. Denn was diese Lebensklänge – wie der Rahmen jener Harfe – zusammenhält, ist etwas noch viel Umfassenderes: das, was wir Gott oder das Absolute nennen.
Text: Edwin Egeter, Bild: 123RF
